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Västrallyt Trollhättan - Abenteuer für Fortgeschrittene Matthias P. / 05.09.2010 / 22:47

Laut Terminkalender und den Vorbereitungen müsste ich jetzt eigentlich irgendwo in der Nähe von Polen / Warschau sitzen und auf die Re-Startliste für die finale Sonntagsetappe warten. Der nächste Lauf zum polnischen Schotter Cup wäre es gewesen und dank dem 3. Zwischenrang in der Meisterschaft für unser Duo Lazar Kan und Falkmar Platz sogar noch mit der berechtigten Hoffnung am Jahresende auf dem Stockerl in der Gr. N zu stehen.

Stattdessen sitz ich bei strahlendem Sonnenschein im Hohen Norden - auf der Zielrampe im Hintergrund reichlich WRC Gebrüll - und warte darauf, dass unser Team die finale 16km Prüfung erfolgreich hinter sich bringt und ich die letzten Ereignisse einhändig in die Notebooktastatur hämmern kann.



So nun aber von vorne….

Knapp 10 Tage vor der Abreise nach Warschau fiel dem polnischen Veranstalter plötzlich auf, dass es irgendwie doch nicht so recht sein kann, dass ein deutsches Duo sich in die 2. polnische Rallyeliga drängelt und mit Glück vielleicht einen der 3 Pokale über die Grenze schleppt. Gottgnädig räumte man uns ein, doch mit dem Fiesta im Teilnehmerfeld der polnischen Meisterschaft an den Start zu gehen, was zur Folge hätte, dass man mindestens 2 Tage früher anreisen hätte müssen und vier weitere freundliche grüne Zettel an Geld aufs polnische Startgebührkonto zu überweisen haben.

Keine 2 Sekunden später stand die Entscheidung fest – genau das machen wir nicht – und schon war die schwedische Google Seite auf dem Bildschirm. Lazar und Falkmar hatten sich auf Schotter eingestellt – „den sollen sie haben“, so Teambetreuer Matthias Prillwitz.




Eckdaten:

03./04. September – Trollhättan / Schweden – 80km nördlich von Göteborg.
Lauf zur schwedischen Meisterschaft über 2 Tage und zu 100% auf feinstem Schotter durch den schwedischen Forst

Knapp 160 Teilnehmer bestehend aus dem Mitsubishi Evo Cup, Volvo Cup, einige WRC´s und Super 2000 und haltet euch fest, 18 Ford Fiesta, davon 15 in derselben Gr. N Spezifikation wie der unsere.

Großes Grinsen bei allen Beteiligten und alle Buchungen waren vollständig. Donnerstag 07.45 Uhr Saßnitz Rügen, das Trio zieht das Fährticket nach Trelleborg und trifft 8 Stunden später bei den Abnahmen im Gewerbegebiet in Trollhättan ein. 8 Technische Kommissare fallen über unser Auto her und können rein gar nichts beanstanden.



Im Eifer rissen sie uns zwar eine Benzinleitung von der Spritzwand ab – reparieren das aber noch sofort vor Ort. Der Freitag beginnt zeitig, ab 6 Uhr sind die Zwei beim Recce ( Besichtigung der Wertungsprüfungen ) unterwegs. 11 Prüfungen, keine wird doppelt gefahren – dass alles binnen 10 Stunden. Das gesamte Teilnehmerfeld stöhnt über den straffen Zeitplan.

Zur selben Zeit sitzt Teambetreuer Matthias Prillwitz in der Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses. Die linke Hand verlangt nach einem Unfall am Frühstückstisch nach Nadel und Faden. Nach 4 Stichen ist alles wieder in bester Ordnung – „verwundet“ aber gut gelaunt geht es zum tollen Servicezentrum am Saab Museum - unweit der Wasserfälle von Trollhättan. Die schwedischen und norwegischen Fiesta Teams haben schon groß aufgebaut, nehmen uns in ihre Mitte und schon kommt es zu neuen Freundschaften. WM Pilot Mads Östberg schaut vorbei und zollt uns seinen Respekt für den Mut, auf solchen Strecken die Schotter Erfahrungen auszubauen. Er selbst wird später die Rallye mit knapp 4 Minuten Vorsprung gewinnen.

Und in der Tat, die Gangart im skandinavischem Fiesta Cup ist beeindruckend. Die besten Gr. N Fiesta Teams fahren mit den verbesserten R2 Modellen um die Wette. Selbst Fiesta WM Pilot Henriksson hat seine Mühe die Meute hinter sich zu halten. Zudem ist die Leistungsdichte enorm - gut eine handvoll Fahrer können um den Sieg mitfahren.

Lazar und Falkmar hielten sich aus allem raus und genossen sichtlich die wahnsinnig tollen Wertungsprüfungen oder wie die "Lokals" so schön sagen die "fin vägen" am Rande des Vännern. Die Vorgabe war das Auto heile zu lassen und schrittweise den Rückstand zu verringern. Waren es Anfangs noch knapp 7 Sekunden, die beide je Kilometer auf die Spitze verloren, so waren es in der dritten und letzten Etappe "nur" noch 4,5 Sekunden. Wo die allerdings zu holen sind weiß vielleicht der Teufel….

"Das braucht seine Zeit, bis man auf den vielen verdeckten Kuppen und Kurven das Gas stehen lässt und man selbst das Vertrauen findet. Wir sind nicht die ersten Deutschen, die hier auf die Ohren bekommen haben. Aber die Erfahrung kann uns keiner nehmen – wir kommen sicher wieder." so die einstimmige Meinung.

Beide konnten am Ende den 15. Platz von 18 gestarteten Ford Fiesta belegen. Bis auf einen Reifenschaden auf der letzten Sonderprüfung und einer beschädigte Spurstange ( kleiner Ausritt gegen die Leitplanke ) gab es keine Probleme, sodass sie sich voll und ganz auf die Schotterprüfungen konzentrieren konnten.

Ergebnis – Ford Fiesta Wertung

1. Viktor Henriksson / Håkan Palm - Ford Fiesta R2 - 51:32,4
2. Calle Ward / Sophia Karlsson - Ford Fiesta R2 - 52:12,4
3. Petter Kristiansen / Ole Kristian Brennum - Ford Fiesta ST - 52:18,5
4. Petter Rolfsen / Knut H Henriksen - Ford Fiesta R2 -52:46,6
5. Steve Røkland / Frode Winther - Ford Fiesta ST 53:31,1
6. Nils Fransson / Peter Fogel - Ford Fiesta ST 53:41,3
7. Andreas Thelaus / Krister Gull - Ford Fiesta ST 53:47,8
8. Mattias Adielsson / Marcus Sundh - Ford Fiesta ST 53:48,5
9. Tobias Bergetorp / Mikael Salomonsson - Ford Fiesta ST 53:50,1
10. Lasse Storm / Ulf Storm - Ford Fiesta ST 54:14,7
11. Mattias Wennman / Filip Larsson - Ford Fiesta ST 54:18,8
12. Jonas Olson / Mikael Jönsson - Ford Fiesta ST 54:37,6
13. Torbjörn Westerlund / Stefan Petersson - Ford Fiesta ST 55:26,8
14. Marlene Engan / Anders Wangen - Ford Fiesta ST 56:45,8
15. Lazar Kan / Falkmar Platz - Ford Fiesta ST 59:37,7
Frank Tore Larsen / Torstein Eriksen - Ford Fiesta ST Ausfall
Håkan Björkman / Joel Ardell - Ford Fiesta ST Ausfall
Anton Eriksson / Jim Hjerpe - Ford Fiesta ST Ausfall


Nächster geplanter Einsatz:

14./16.10.10 - Rallye Lausitz

Ihr Matthias Prillwitz

Bilder: M.P. & E Motorsport Schweden



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